Leserbrief von Detlev Perl

Ich möchte nicht das St-Florians-Prinzip aufgreifen, dass schon anlässlich des Volksentscheids zum Weiterbetrieb des Flughafens Tegel strapaziert wurde. Nach der Lektüre anderer Artikel in dieser Informationsschrift frage ich mich nur, welches abgestimmte verkehrspolitische Ziel verfolgt eigentlich diese Partei? An anderer Stelle wird über Raser und gefährliche Situationen am Zebrastreifen auf der Ruppiner Chaussee in Höhe Stolpmünder Weg berichtet und eine stärkere Verkehrsüberwachung gefordert. Ja gerade diese Raser sind es ja, die auch jetzt häufig den gesperrten Teil der Ruppiner Chaussee in beiden Richtungen als illegale Umleitungsstrecke benutzen, dort mit mehr als den erlaubten 30 km/h unterwegs sind und dabei auch noch überholen. Insbesondere nach dem Orkan Herwart und der dadurch bedingten Autobahnsperrung aber auch sonst im morgendlichen Berufsverkehr war bzw. ist es für uns Anwohner wegen des starken Verkehrsaufkommens schwer möglich, von der Beyschlagstraße vorschriftsmäßig in die Ruppiner Chausse nach links einzubiegen um die Walddurchfahrt zu vermeiden. Auf einen Hinweis an die Polizei erhielt ich nach mehreren Tagen die Antwort eines Kriminalhauptkommissars, man werde gelegentlich mein Ansinnen bei der Einsatzplanung für die Kontrollen in diesem Bereich berücksichtigen. Daraus schließe ich, dass zumindest einige Polizeibeamte diese Walddurchfahrten inzwischen tolerieren. Sie machen es ja selber mit ihren Mannschaftswagen auch, obwohl sie erkennbar nicht in einem Noteinsatz sind. Wie war das damals vor knapp 30 Jahren? Ich entsinne mich an einen eifrigen Kontaktbereichsbeamten der Polizei, der zumeist bei schönem Wetter in Höhe des Diakoniezentrums, also auf dem frei befahrbaren Teil der Ruppiner Chaussee, mitten auf der Straße stand und alle sich in Richtung Tegel bewegenden Fahrzeuge anhielt und nach dem Fahrtziel fragte, sich von mir sogar den Personalausweis zeigen ließ, ob ich wirklich in der Beyschlagstraße wohne. Etwas später fand eine Übung an der Kreuzung Schulzendorfer Straße Ecke Ruppiner Chausseee statt. Die Ampel war abgeschaltet und ein junger – ich nehme an – Polizeianwärter, musste die Kreuzung von Hand regeln. Er ließ es vehement nicht zu, dass irgend ein Fahrzeug in die Ruppiner Chaussee in Richtung Tegel fuhr. Bei zwei Versuchen – aus Richtung Heiligensee kommend, forderte er mich durch energische Handzeichen zu einem beschleunigten Linksabbiegen in Richtung Autobahn auf. Nach drei ungewollten Rundfahrten über Ausfahrt Waidmannluster Damm – Heiligenseestraße – Hennigsdorfer Straße – Ruppiner Chaussee erlaubte ich mir beim dritten Mal trotz seiner heftigen Handzeichen mitten auf der Kreuzung anzuhalten und ihn zu fragen, was das solle. Die Straße wäre ab dieser Stelle noch 2000 Meter frei befahrbar und ich möchte nach Hause. Er sagte nur energisch und unhöflich: „Fahren Sie weiter!“ Am Rand dieser Kreuzung standen auch uniformierte Polizeibeamte, wahrscheinlich Ausbilder oder Vorgesetzte, als Beobachter. Ich frage mich nur, warum diese die Fehleinschätzung des Polizeianwärters, der offenbar keine Verkehrsschilder deuten konnte, nicht vorher erkannt und eingegriffen hatten. Warum greife ich das noch einmal auf? Nach meiner daraufhin erfolgten Dienstaufsichtsbeschwerde erhielt ich ein Schreiben der Polizei mit dem lakonischen Hinweis, dass doch die Sperrung der Ruppiner Chaussee zum Wohle der Anwohnerinnen und zum Schutz des Waldes erfolgte und diese eine Bedingung war, um die Autobahn, damals noch Bundesfernstraße, überhaupt bauen zu dürfen. Das weiß als Zeitzeuge ich auch, rechtfertigte aber nicht den verweigerten Einlass. Ich entsinne mich selber noch, dass der Bau auf Grund vieler Gerichtsverfahren um Jahre verzögert wurde und gegenüber ursprünglichen Senatsplänen dann eine Trogbauweise mit Tunneln in Höhe der Wohngebiete, Lärmschutzwänden und vielen Kurven in Höhe des alten Kontrollpunkts stattfinden musste. Seit der Öffnung der Grenze hat sich der Verkehr vervielfacht. Gelten jetzt die Bedingungen von damals nicht mehr? Meines Erachtens müssten sie jetzt erst recht gelten! An anderer Stelle setzt sich diese Partei für ungefährliche Radrouten im Raum Heiligensee ein. Die Ruppiner Chausse ist eine von Radfahrern/innen und Schulkindern vielbefahrene und relativ ungefährliche (abgesehen von den Wildschweinen, die da manchmal herumrennen) Radroute zwischen Heiligensee und Tegel. Sie wurde zurückgebaut, indem unter anderem der erst zuvor angelegte Radfahrweg auf Kosten des Steuerzahlers wieder entfernt wurde, für mich unerklärlicherweise auch in dem 2 km nicht gesperrten Abschnitt, „weil dort die Radfahrer den Autoverkehr bremsen sollten“, so war es in den 80er Jahren zu lesen. Außerdem wurden die Haltebuchten an den Bushaltestellen entfernt, „weil eben auch die Busse den Autoverkehr bremsen sollten“. Die Einfahrt am „Alten Fritzen“ wurde schmaler gemacht, so dass der Autobus 124 jetzt beim Einbiegen in die Ruppiner Chausse in Richtung Heiligensee die Gegenfahrbahn mit benutzen muss. Und gerade an dieser Stelle will die Partei die Schaltzeiten der Ampel zu Gunsten des Verkehrsflusses auf der Heiligenseestraße angepasst haben, weil ja der Zufluss aus der Ruppiner Chaussee nur sehr marginal sei (auch nachzulesen in dieser Broschüre). Ich kann mir nicht vorstellen, dass dann diese Ampel nach temporärer Freigabe der Ruppiner Chaussee durch die Polizei jedes Mal umprogrammiert wird. Das Verkehrschaos ist damit vorprogrammiert. Auch nicht berücksichtigt wird bei diesen Überlegungen, dass das Bezirksamt Reinickendorf nicht mehr in die Unterhaltung dieser Straße investiert hat, seitdem diese für den Durchgangsverkehr gesperrt wurde. Es wird nur das Nötigste ausgeflickt und die alten Schlaglöcher brechen wieder auf, wenn die Straße von schweren LKWs befahren wird, z. B. nach den letzten Orkanen oder durch den Baustellenverkehr in letzter Zeit. Vernünftiger wäre doch ein Verkehrskonzept, welches das Abstellen der Fahrzeuge vor der Stadtgrenze attraktiv macht. Dazu gehören bezahlbare Park-and-Ride Möglichkeiten an den Bahnhöfen im Umland und ein VBB-Tarif, der den „B-Bereich“ auf den ersten Bahnhof im Land Brandenburg erweitert (so wie es damals nach Einführung des VBB-Tarifs auch der Fall war). Dann würden auch nicht so viele S- und U-Bahnhöfe am Stadtrand zugeparkt werden. Also, wem nützt dieser blinde Aktionismus dieser politischen Fraktion?

Freundliche Grüße Detlev Perl

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