Dez 11 2017

PETA übt scharfe Kritik am Berliner Tierpark Friedrichsfelde: Geburt von Eisbärbaby ist kein Grund zum Feiern

Verhaltensgestörter Eisbär im Zoo / © PETA

Berlin / Stuttgart, 8. Dezember 2017 – Der Berliner Tierpark Friedrichsfelde gab heute die gestrige Geburt zweier Eisbärbabys bekannt, von denen eines bereits tot zur Welt kam. Die achtjährige Eisbärin Tonja gebar schon 2016 zwei Jungtiere. Auch damals starb eines der Tiere kurz nach der Geburt. Das andere Eisbärbaby, Fritz, überlebte nur drei Monate und starb schließlich an einer Lebererkrankung. PETA warnt vor einem neuen Hype rund um das Eisbärbaby, sobald Mutter und Kind die Geburtshöhle in einigen Monaten verlassen. Der zu erwartende öffentliche Ansturm belastet die Tiere; noch dazu treten hierdurch die ohnehin mangelhaften Haltungsbedingungen für diese Raubtierart in zoologischen Einrichtungen in den Hintergrund.

„Die Geburt des Eisbärbabys ist kein Zuchterfolg, sondern vorsätzliche Tierquälerei aus kommerziellen Beweggründen“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Eisbären leiden immens unter der Gefangenschaft. Die viel zu kleinen Gehege verursachen schwere Verhaltensstörungen bei den intelligenten Tieren – auch das Neugeborene wird dieses Schicksal erleiden.“

PETA weist darauf hin, dass nahezu alle Eisbären in deutschen Zoos an ausgeprägten Verhaltensstereotypien leiden. Die Tierrechtsorganisation hat in der Vergangenheit beispielsweise Videomaterial veröffentlicht, auf dem schwere Zwangsstörungen bei den Tieren zu sehen sind. Hinzu kommt, dass die Haltung von Eisbären in Gefangenschaft keinen Beitrag zum Artenschutz leistet, da im Zoo geborene Tiere grundsätzlich nicht ausgewildert werden können. Nachzuchten in menschlicher Obhut gehen außerdem mit einer hohen Jungtiersterblichkeit einher.

In freier Natur wandern Eisbären bis zu 100 Kilometer pro Tag. Können sie sich nicht artgemäß bewegen, entwickeln sie auffällige Verhaltensstereotypien. Laut PETAs Eisbären-Studie von 2008/2010 sind über 80 Prozent der Eisbären in deutschen Zoos verhaltensgestört. Da eine artgerechte Haltung dieser Raubtiere in Gefangenschaft nicht möglich ist, fordert die Tierrechtsorganisation ein Zucht- und Importverbot. Auch der Frankfurter Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch erklärte bereits 2008, dass das größte Landraubtier der Welt für die Haltung in Zoos nicht geeignet sei, da sein natürlicher Lebensraum einfach viel zu groß sei [1].

[1] „Punkten ohne Eisbär-Rummel“, in: Frankfurter Rundschau vom 13. Mai 2008. Online unter: www.fr-online.de/spezials/frankfurter-zoo-punkten-ohne-eisbaer-rummel,1472874,2782166.html.

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