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Jun 24 2015

Rieselfelder (6): Achtung! Freilaufende Weidetiere!

Mit diesem Hinweisschild werden die Besucher auf der Waldweide in Hobrechtsfelde begrüßt und belehrt. Dass dieses notwendig ist, zeigen folgende Anekdoten:
Am 1.September diesen Jahres wurden die Leser einer Tageszeitung im Lahn-Dillkreis (Hessen) mit der reißerischen Schlagzeile konfrontiert  „Frau von Kuh zertrampelt“. Was war geschehen? Da es keine Zeugen des Vorfalles gab und die Kuh sich vom Tatort entfernt hatte, konnte die Spurensicherung nur anhand von Indizien den Vorgang rekapitulieren. Es wird angenommen, dass eine seit Wochen flüchtige Kuh im Gelände gekalbt hat und nun ihr frischgeborenes Kalb schützen wollte. Die Frau als ahnungslose (oder neugierige) Spaziergängerin gelangte mit ihrem freilaufenden Hund in die Schutzzone, die jedes Tier um sich aufbaut. Die Kuh konnte mit ihrem neugeborenen Kalb nicht flüchten. Sie verteidigte aggressiv den um sich gebildeten Sicherheitsabstand. Vermutlich hat der Hund den Anlass für den Angriff gegeben und die Frau wurde bei der Verteidigung ihres Vierbeiners zum Opfer eines sonst harmlosen Rindes.
Ein vergleichbarer Vorfall ohne tragischen Ausgang ereignete sich 2008 auf der Waldweide in Hobrechtsfelde.  Mit dem erfahrenen Tierpfleger und seinem freilaufenden Hund wurden wir von einem Heckrind überrascht, das nicht wie sonst üblich bei der Herde stand, sondern allein war und langsam auf uns zukam. In etwa 20 Meter Entfernung blieb es mit gesenktem Kopf und breitbeinig vor uns stehen. Der Tierpfleger nahm seinen Hund an die Leine und wir entfernten uns von dem angriffsbereiten Tier. Von einem nahegelegenen alten Hochstand konnten wir ein frischgeborenes Kalb im hohen Gras liegen sehen, das die Kuh schützen wollte. Sie hatte sich deshalb auch von ihrer Herde getrennt. Wir waren nicht in ihren Sicherheitskreis eingedrungen und der Hund war angeleint. Es ist deshalb richtig und der Hinweis zu beachten, dass man einen Sicherheitsabstand von etwa 25 Metern von den Tieren halten soll. Laienhafte Hilfsbereitschaft, Mutproben oder Neugier sind gefährlich. Rinder sind Herdentiere. Auffällig ist es, wenn eine Kuh sich von der Herde absondert. Entweder ist diese krank oder sie bekommt ein Kalb, auch zum Sterben entfernen sich die Tiere von der Herde. In diesen Fällen soll man die Tiere nicht stören und nicht verjagen. Der Hinweis „Hunde sind an der Leine zu führen“ (oder besser zu Hause zu lassen) ist dringend zu beachten.
Prof.  R. Metz

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Dorfzeitung

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