Schafe als Wolfsköder missbraucht? PETA erstattet Strafanzeige gegen zwei brandenburgische Jäger

Eingefrorenes Wasser auf der Weide der Schafe bei Baruth / © PETA

Baruth / Potsdam / Stuttgart, 11. Mai 2018 – Mindestens drei Schafe wurden in zwei Nächten im April auf einer Weide bei Baruth (Landkreis Teltow-Fläming) vermutlich von Wölfen gerissen. Halter der Schafe waren zwei Jäger, die seit Anfang 2018 insgesamt fünf Schafe dort untergebracht hatten. Zeugenaussagen und Beweisfotos legen nahe, dass die Tiere absichtlich schlecht gesichert wurden, um Angriffe durch Wölfe zu provozieren. Wegen vorsätzlicher Tötung der Schafe durch Unterlassen geeigneter Schutzmaßnahmen hat die Tierrechtsorganisation PETA daher nun bei der Staatsanwaltschaft Potsdam Strafanzeige gegen die Jäger erstattet.

„Schon seit geraumer Zeit wurden Wölfe in dem Gebiet beobachtet“, so Dr. Christian Arleth, Justiziar bei PETA. „Die Schafe waren selbst nach dem ersten Angriff noch durch einen löchrigen Zaun so schlecht gesichert und auch unterversorgt, dass hier von Vorsatz gesprochen werden muss. Die Jäger wollen die Voraussetzungen schaffen, um Wölfe nach der Brandenburgischen Wolfsverordnung legal töten zu dürfen. Das müssen die Behörden verhindern.“

Die Weide war nur von einem 90 Zentimeter hohen, nicht durchgängigen Zaun mit vier Litzen umgeben, die an eine alte, der Witterung ausgesetzten Autobatterie mit zwölf Volt Spannung angeschlossen waren. An mindestens einer Stelle war die unterste Zaunlitze bereits sichtbar untergraben. Wölfe hätten auch einfach durch die Zaunlitzen hindurch steigen können. Wie ein Zeuge gegenüber PETA berichtete, war das Wasser für die Schafe in einer Plastiktränke von Januar bis März teilweise mehrere Wochen am Stück gefroren, sodass die Tiere keinen regelmäßigen Zugang dazu hatten.

In unmittelbarer Nähe der Weide befindet sich ein Forstgut, das einem der Jäger gehört. Auch feste sowie mobile Jagdhochsitze und ein Jagdausbildungsrevier sind dort angesiedelt. Passanten beschreiben es als „hochgerüsteten Jägertruppen-Übungsplatz“. Der Forstgutbesitzer stand vor vier Jahren vor Gericht– auch damals lautete der Verdacht, er betreibe Anlagen, um Wölfe mit Schafen als Lebendköder zu fangen. Einer der beiden Jäger betreibt die Facebook-Seite „Wolf – nein Danke 2.0“, auf der täglich wolfskritische Inhalte mit knapp 14.000 Abonnenten geteilt werden.

Untergrabener Litzenzaun: kein Hindernis für Wölfe / © PETA

PETA hatte den zuständigen Veterinär- und Jagdbehörden, dem Landwirtschaftsministerium sowie dem Tierschutzreferat des Justizministeriums bereits im März ihren Verdacht über die absichtliche Wolfsköderung mitgeteilt und Schutzmaßnahmen für die Schafe gefordert. Im Falle eines Wolfsübergriffs drohte die Tierrechtsorganisation mit einer Strafanzeige gegen die Jäger. Das Justizministerium antwortete, es könne keine Verstöße erkennen, das Landwirtschaftsministerium schweigt bis heute.

Seit Februar ist in Brandenburg die deutschlandweit erste Verordnung ihrer Art „über die Zulassung von Ausnahmen von den Schutzvorschriften für den Wolf“ in Kraft. Darin sind neben Möglichkeiten der Vergrämung von Wölfen auch Voraussetzungen festgehalten, die die Tötung von Wölfen zulassen. Dazu zählen nicht nur Wölfe „mit für den Menschen problematischem Verhalten“, sondern „zur Abwendung drohender erheblicher landwirtschaftlicher Schäden“ auch Wölfe, die „mehrfach in

Weidetierbestände eingedrungen sind […] und dort Nutztiere gerissen oder verletzt haben.“ Der Landesjagdverband Brandenburg, dessen Mitglied einer der Schafhalter ist, hat bereits die Umsetzung der Wolfsverordnung gefordert.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

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