Meike´s Meinung April 2019

Knapp 50 Prozent aller in Deutschland geschlossenen Ehen werden geschieden. Das muss einen nicht wundern, wenn man sich klar macht, dass das Zusammenkommen von zwei Personen aus verschiedenen Familien einen Kulturschock auslöst. Unterschiedliche familiäre Gewohnheiten, Atmosphären etc. prallen aufeinander. Solange noch die Schmetterlinge im Bauch flattern tut das nichts zur Sache. Aber nach einigen Jahren geht einem der Partner mit seinen Angewohnheiten im besten Fall nur. auf die Nerven. Meist sind Kleinigkeiten der Grund für Unstimmigkeit, z.B. wie rum die Klopapierrolle eingehängt wird, ob das Geschirr gleich nach Benutzung in den Spühler kommt oder erst am nächsten Morgen etc. Auch am Umgang mit den Kindern scheiden sich oft die Geister. Paare aus tatsächlich unterschiedlichen Kulturen haben es leichter, weil sie sich des Problems bewußt sind und darüber reden können. Paare aus derselben Kultur trifft es oft unverhofft, weil sie davon ausgehen, dass beide sich selbstverständlich verstehen, oft auch ohne Worte. Für dieses ubiquitäre Problem gibt es kulturell verankerte Lösungen. Eine haben wir direkt vor Augen. Das sind die verabredeten Ehen in den arabischen Clans. Durch intensive, umfassende Kommunikation der Großfamilie untereinander findet eine Egalisierung der familiären Gewohnheiten statt. Die Tradition mehr oder weniger Verwandte miteinander zu verheiraten minimiert weiter die familiären Unterschiede für das junge Paar. Eine andere Lösung findet sich auf Madagaskar. In einem matrilinearen System ist dort der verantwortliche Vater des Kindes der Bruder der Mutter. Er bestimmt bei der Erziehung mit. Der erzeugende Vater ist wiederum verantwortlich für die Kinder seiner Schwester. Auch auf diese Weise wird der Zusammenprall von unterschiedlichen Familientraditionen vermieden. Vielleicht gibt es noch andere Modelle, die den Stressfaktor in jungen Ehen reduzieren. Wir sollten uns aber im Klaren sein, dass die hohe Scheidungsrate in Deutschland nicht ein zivilisatorisches Problem ist, sondern ein strukturelles Problem unserer gesellschaftlichen Organisation der Fortpflanzung. Meike

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